FAZ
Donnerstag, 12. April 2001, Nr. 87/Seite 9
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 Rußland genehmigt
 Dennis Titos Flug  

 Die Nasa fürchtet um die Sicherheit


  cme. FRANKFURT, 11. April. Trotz amerikanischer Proteste hat die russische Regierung am Mittwoch den Flug des kalifornischen Millionärs Dennis Tito zur Internationalen Raumstation (ISS) genehmigt. Der Gründer eines Investmentunternemens hatte ursprünglich rund zwanzig Millionen Dollar für einen Aufenthalt auf der russischen Raumstation Mir gezahlt, die aber im vergangenen Monat zurn Absturz in den Pazifik gebracht wurde. Jetzt soll der 60 Jahre alte Tito gemeinsam mit zwei russischen Kosmonauten am 28. April in einer Sojus-Kapsel zur ISS aufbrechen und dort etwa eine Woche verbringen.
  Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hatte sich seit langem gegen den Ausflug Titos ins All ausgesprochen und sich besorgt über die Sicherheit der anderen ISS-Mitarbeiter, zweier Amerikaner und eines Russen, geäußert, falls es zu einem Notfall käme. Die ISS ist ein Gemeinschaftsprojekt von sechzehn Nationen und wird bis zu ihrer Fertigstellung Ende dieses Jahrzehnts voraussichtlich mehr als 100 Milliarden, Dollar kosten. Ein Sprecher des russischen Trainingszentrums hält die Einwände gegen den ehemaligen Raketentechniker Tito "für eine politische Sache". Ein Regierungsausschuß hatte den Flug genehmigt, nachdem Tito am Vortag die letzte Prüfung am Simulator bestanden hatte. Der Weltraumtourist, der seit acht Monaten in Rußland für den Einsatz trainiert, ist bereit. "Ich möchte sichergehen, daß ich dort oben alle Bilder schießen kann, die ich mir vorgenommen habe", sagte er. Die Hauptaufgabe der Mission ist es allerdings, die alte Sojus-Kapse auszutauschen, mit der die letzte im November an Bord gekommen war. Die Kapsel soll der Mannschaft bei einem lebensbedrohlichen Unfall eine sichere Rückkehr zur Erde garantieren. Titos zukünftige Mitbewohner auf der ISS wollen dem Millionär den Zutritt nicht verwehren. "Wer auch immer hinter der Einstiegsluke erscheinen wird, ist an unserem Mittagstisch willkommen", sagte das Mannschaftsmitglied Susan Helms.
  Auf der Reise ins All wird Tito von dem Kommandanten Musabajev und dem Ingeneur Baturin begleitet. Baturin ist zwar kein Millionär, hat sich aber einen Namen als Berater des ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin gemacht. Den Altersrekord für Astronauten würde aber Tito nicht brechen, denn den Rekord hält ein amerikanischer Politiker. Der ehemalige Senator des amerikanischen Bundestaates Ohio, John Glenn, hatte schon seinen 77. Geburtstag gefeiert, als er 1998 im Space Shuttle mitflog. Immerhin hatte Glenn vor seiner Karriere in der Politik als Weltraumpionier Geschichte geschrieben, als er 1962 als erster amerikanischer Astronaut die Erde umrundete.  



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